zurück

Rotlicht und Nahinfrarotlicht: Was kann die Lichtanwendung leisten?

Rotlichttherapie

Rotlichtanwendungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Neben klassischen Wärmelampen werden heute vor allem LED-Panels angeboten, die sichtbares rotes Licht und teilweise unsichtbares Nahinfrarotlicht abgeben. Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff Photobiomodulation.

Die Anwendung wird unter anderem in der Hautpflege, im Sport- und Wellnessbereich sowie begleitend in verschiedenen medizinischen Fachgebieten untersucht. Gleichzeitig werden im Internet zahlreiche Wirkungen versprochen, die wissenschaftlich bisher nicht ausreichend belegt sind.

Dieser Beitrag erklärt, wie Rotlicht- und Nahinfrarotgeräte grundsätzlich funktionieren, für welche Bereiche erste wissenschaftliche Hinweise bestehen und worauf Verbraucher bei einer Anwendung achten sollten.

Was ist Rotlichttherapie?

Unter Rotlichttherapie werden unterschiedliche Anwendungen zusammengefasst. Moderne LED-Geräte nutzen häufig bestimmte Wellenlängen des roten und nahinfraroten Lichts.

Sichtbares rotes Licht liegt typischerweise ungefähr im Bereich von 600 bis 700 Nanometern. Nahinfrarotlicht besitzt längere Wellenlängen, ist für das menschliche Auge nicht sichtbar und kann – abhängig von Wellenlänge, Leistung und Gewebe – tiefer in körperliches Gewebe eindringen als sichtbares rotes Licht.

Im Unterschied zu Sonnenlicht und Solarien verwenden Rotlicht-LEDs keine ultraviolette Strahlung. Sie erzeugen daher weder eine Bräunung noch die für UV-Strahlung typischen Wirkungen auf die Haut. Dennoch bedeutet „UV-frei“ nicht automatisch, dass eine unbegrenzte oder unsachgemäße Anwendung risikolos wäre.

Was bedeutet Photobiomodulation?

Photobiomodulation, häufig mit PBM abgekürzt, bezeichnet die Anwendung bestimmter Lichtwellenlängen mit dem Ziel, biologische Prozesse in Zellen oder Gewebe zu beeinflussen.

Als möglicher Wirkmechanismus wird diskutiert, dass lichtempfindliche Zellbestandteile einen Teil der Lichtenergie aufnehmen. Dadurch könnten unter anderem Signalprozesse in den Mitochondrien, Veränderungen des Zellstoffwechsels und weitere biologische Reaktionen angestoßen werden.

Diese Erklärungsmodelle sind Gegenstand intensiver Forschung. Die häufig vereinfachte Aussage, Rotlicht „lade die Mitochondrien auf“ oder erhöhe grundsätzlich die Energie jeder Zelle, ist wissenschaftlich jedoch zu pauschal.

Welche Wirkung erreicht wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab:

  • der eingesetzten Wellenlänge
  • der tatsächlichen Lichtleistung am Körper
  • dem Abstand zwischen Gerät und Haut
  • der Dauer einer Anwendung
  • der bestrahlten Körperfläche
  • der Anzahl und Häufigkeit der Anwendungen
  • dem behandelten Gewebe
  • dem individuellen Gesundheitszustand

Mehr Licht oder eine längere Bestrahlung bedeutet dabei nicht automatisch eine stärkere oder bessere Wirkung.

Welche möglichen Anwendungsbereiche werden untersucht?

Die Forschung zur Photobiomodulation umfasst eine große Zahl sehr unterschiedlicher Anwendungen. Die Studienlage ist jedoch nicht in allen Bereichen gleich gut. Studien verwenden zudem unterschiedliche Geräte, Wellenlängen, Dosierungen und Behandlungsabläufe. Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf jedes handelsübliche Rotlichtgerät übertragen.

Hautbild und Hautalterung

Für bestimmte Anwendungen im Bereich der Haut gibt es Hinweise darauf, dass rotes oder nahinfrarotes Licht Prozesse beeinflussen kann, die mit Hautstruktur, Kollagenbildung und sichtbaren Zeichen der Hautalterung zusammenhängen.

Einige klinische Studien berichten über Verbesserungen feiner Linien oder der allgemeinen Hautbeschaffenheit. Gleichzeitig weisen wissenschaftliche Übersichtsarbeiten darauf hin, dass viele Untersuchungen nur kleine Teilnehmergruppen umfassen, unterschiedliche Methoden verwenden oder durch Herstellerinteressen beeinflusst sein können. Die Ergebnisse sind daher vielversprechend, aber nicht auf jedes Gerät und jede Person übertragbar.

Sport, muskuläre Belastung und Regeneration

Photobiomodulation wird außerdem im Zusammenhang mit Sport, muskulärer Leistungsfähigkeit, Ermüdung und Regeneration untersucht.

Einige Studien und Übersichtsarbeiten berichten mögliche positive Effekte auf muskuläre Leistungsparameter oder Ermüdungserscheinungen. Allerdings unterscheiden sich die untersuchten Protokolle erheblich. Besonders bei Wellenlänge, Anwendungszeitpunkt, Dosis und Positionierung des Geräts besteht noch keine einheitliche wissenschaftliche Empfehlung.

Rotlicht sollte daher nicht mit einer garantierten schnelleren Regeneration beworben werden. Es kann allenfalls als ergänzende Anwendung betrachtet werden. Schlaf, ausreichende Erholung, Ernährung, Trainingssteuerung und eine fachgerechte medizinische Behandlung bleiben entscheidend.

Schmerzen und entzündliche Beschwerden

Auch bei verschiedenen Schmerz- und Entzündungszuständen wird Photobiomodulation erforscht. Für einzelne klar definierte Krankheitsbilder existieren positive Studienergebnisse. Daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass ein frei verkäufliches Rotlichtpanel generell Schmerzen lindert oder Entzündungen behandelt.

Schmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Neu auftretende, starke, länger anhaltende oder unklare Schmerzen sollten daher ärztlich oder therapeutisch abgeklärt werden.

Wundheilung und medizinische Spezialanwendungen

In medizinischen Einrichtungen wird Photobiomodulation unter anderem für bestimmte unterstützende Behandlungen erforscht oder bereits innerhalb fachlich definierter Behandlungskonzepte eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise einzelne Anwendungen in der Dermatologie, Zahnmedizin oder bei Nebenwirkungen onkologischer Behandlungen.

Solche medizinisch begleiteten Anwendungen dürfen nicht mit der selbstständigen Nutzung eines Rotlichtpanels zu Hause gleichgesetzt werden. Klinische Behandlungen arbeiten mit einer konkreten Diagnose, festgelegten Dosierungen und fachlicher Kontrolle.

Was ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend belegt?

Für zahlreiche im Internet verbreitete Aussagen fehlt bislang eine verlässliche wissenschaftliche Grundlage.

Rotlichtgeräte sollten insbesondere nicht mit pauschalen Aussagen beworben werden wie:

  • „heilt chronische Erkrankungen“
  • „stärkt sicher das Immunsystem“
  • „entgiftet den Körper“
  • „verbrennt Körperfett“
  • „heilt Depressionen“
  • „behandelt Krebs“
  • „beseitigt Entzündungen“
  • „regeneriert jedes Gewebe“
  • „stoppt den Alterungsprozess“

Auch wenn biologische Wirkmechanismen im Labor beobachtet werden, beweist dies noch keinen klinisch relevanten Nutzen beim Menschen. Für viele beworbene Einsatzgebiete sind größere, methodisch hochwertige und unabhängige Studien notwendig.

Beispiel für ein Rotlichtpanel: Bestqool Pro100

Ein Beispiel für ein größeres LED-Rotlichtpanel ist das Modell Half-Body Red Light Therapy Pro100 des Herstellers Bestqool.

Das Gerät wird beispielhaft genannt, um typische technische Eigenschaften moderner Rotlichtpanels zu erklären. Die Erwähnung stellt keine medizinische Empfehlung und keinen Nachweis einer bestimmten gesundheitlichen Wirkung dar.

Nach Angaben des Herstellers verfügt das Pro100 über:

  • 100 Dual-Chip-LEDs
  • sichtbares Rotlicht mit 630 und 660 Nanometern
  • Nahinfrarotlicht mit 850 und 940 Nanometern
  • getrennt oder gemeinsam schaltbares Rot- und Nahinfrarotlicht
  • eine Leistungsaufnahme von 170 Watt
  • einen integrierten Timer
  • ein belüftetes Metallgehäuse mit Lüftern
  • eine modulare Bauweise zur Verbindung mehrerer Geräte
  • eine Aufhängevorrichtung
  • eine mitgelieferte Schutzbrille

Der Hersteller gibt eine Bestrahlungsstärke von 109 Milliwatt pro Quadratzentimeter bei einem Abstand von etwa 7,6 Zentimetern an. Diese sowie weitere technische Leistungsangaben stammen vom Anbieter und wurden für diesen Beitrag nicht unabhängig überprüft.

Was bedeuten vier Wellenlängen?

Das Gerät kombiniert zwei sichtbare rote Wellenlängen mit zwei Wellenlängen im nahen Infrarotbereich.

Verschiedene Wellenlängen können unterschiedlich stark vom Gewebe aufgenommen oder gestreut werden. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass ein Gerät mit vier Wellenlängen medizinisch wirksamer ist als ein Gerät mit zwei Wellenlängen.

Für die Beurteilung eines Geräts sind unter anderem die tatsächlich ankommende Bestrahlungsstärke, die Verteilung des Lichts, der Abstand, die Behandlungsfläche und die angewandte Dosis entscheidend.

Was bedeutet „Half-Body“?

Der Begriff „Half-Body“ ist eine Produkt- beziehungsweise Größenbeschreibung. Das Panel ist größer als kleine Tischgeräte, beleuchtet aber nicht den gesamten Körper gleichzeitig.

Welche Körperfläche erreicht wird, hängt vom Abstand zum Gerät und von der Position des Anwenders ab. Mit wachsendem Abstand wird in der Regel eine größere Fläche beleuchtet, gleichzeitig sinkt jedoch die Bestrahlungsstärke auf der Haut.

„FDA-registriert“ ist nicht dasselbe wie medizinisch wirksam

Der Hersteller weist darauf hin, dass das Produkt in einer bei der US-amerikanischen Food and Drug Administration registrierten Einrichtung hergestellt werde.

Eine Registrierung einer Produktionsstätte ist jedoch nicht automatisch gleichbedeutend mit einer behördlich bestätigten Wirksamkeit des konkreten Geräts für sämtliche beworbenen Anwendungen.

Bezeichnungen wie „medical grade“, „FDA registered“, „FDA cleared“ und „FDA approved“ haben unterschiedliche Bedeutungen und sollten nicht miteinander gleichgesetzt werden.

Worauf sollte man beim Kauf eines Rotlichtgeräts achten?

1. Transparente technische Daten

Ein seriöses Angebot sollte mindestens folgende Informationen enthalten:

  • verwendete Wellenlängen
  • Leistungsaufnahme
  • Bestrahlungsstärke bei einem klar genannten Abstand
  • Abmessungen und beleuchtete Fläche
  • Sicherheits- und Anwendungshinweise
  • Angaben zu Garantie und Rückgabemöglichkeiten
  • Hinweise zur elektrischen Sicherheit und EU-Konformität


2. Bestrahlungsstärke und Dosis

Die Bestrahlungsstärke wird häufig in Milliwatt pro Quadratzentimeter angegeben. Gemeinsam mit der Behandlungsdauer ergibt sie die Lichtdosis.

Herstellerangaben sind jedoch nur sinnvoll vergleichbar, wenn Messabstand, Messgerät und Messverfahren angegeben werden. Besonders hohe Werte sind nicht automatisch besser.

3. Größe der tatsächlich beleuchteten Fläche

Ein kleines Gerät kann für eine örtlich begrenzte Anwendung ausreichend sein. Wer größere Körperbereiche beleuchten möchte, benötigt ein entsprechend größeres Panel oder muss das Gerät mehrfach umpositionieren.

4. Bedienbarkeit und Positionierung

Timer, Standfuß, Wandhalterung oder Türhalterung können die Anwendung erleichtern. Das Gerät sollte sicher stehen oder befestigt werden können und darf nicht umfallen oder überhitzen.

5. Realistische Werbeaussagen

Vorsicht ist geboten, wenn ein Anbieter Heilungen verspricht, zahlreiche völlig unterschiedliche Erkrankungen mit demselben Gerät behandeln möchte oder ausschließlich mit Vorher-Nachher-Bildern und Erfahrungsberichten argumentiert.

Kundenbewertungen und persönliche Erfahrungsberichte können Hinweise auf Verarbeitung oder Bedienbarkeit geben. Sie ersetzen jedoch keine wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit.

Wie wird ein Rotlichtpanel sicher angewendet?

Die Gebrauchsanleitung des jeweiligen Herstellers sollte immer Vorrang haben. Abstand und Anwendungsdauer dürfen nicht ungeprüft von einem anderen Gerät übernommen werden.

Grundsätzlich sollten Anwender folgende Hinweise beachten:

  • mit kurzen Anwendungen beginnen
  • den empfohlenen Mindestabstand einhalten
  • die maximale Anwendungsdauer nicht überschreiten
  • nicht direkt in die LEDs blicken
  • die mitgelieferte oder empfohlene Schutzbrille verwenden
  • das Gerät nicht abdecken
  • für ausreichende Belüftung sorgen
  • das Gerät nicht in feuchter Umgebung verwenden
  • bei unangenehmer Wärme, Hautreaktionen oder Schmerzen abbrechen
  • beschädigte Geräte, Kabel oder Netzteile nicht verwenden

Bei unsachgemäßer oder übermäßig langer Nutzung können Haut und ungeschützte Augen belastet oder geschädigt werden. Über die langfristige Sicherheit vieler Geräte für den Heimgebrauch liegen bislang nur begrenzte Daten vor.

Wer sollte vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen?

Vor der Anwendung sollte fachlicher Rat eingeholt werden, wenn:

  • eine unklare oder noch nicht diagnostizierte Hautveränderung besteht
  • eine bestehende Hauterkrankung behandelt werden soll
  • eine erhöhte Lichtempfindlichkeit bekannt ist
  • Medikamente oder Präparate eingenommen werden, die Lichtempfindlichkeit verursachen können
  • eine Erkrankung der Augen besteht
  • eine Krebserkrankung besteht oder früher bestand
  • eine akute Entzündung, Verletzung oder Infektion vorliegt
  • eine Schwangerschaft besteht
  • das Gerät bei Kindern eingesetzt werden soll

Bestimmte Medikamente können die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Dazu können je nach Wirkstoff unter anderem einzelne Hautmedikamente, Antibiotika, Psychopharmaka oder andere Arzneimittel gehören. Medikamente sollten deshalb niemals eigenständig abgesetzt werden. Im Zweifel sollte vor der Anwendung ein Arzt oder Apotheker gefragt werden.

Kann Rotlicht eine medizinische Behandlung ersetzen?

Nein. Ein frei verkäufliches Rotlichtgerät ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine medizinische oder therapeutische Behandlung.

Beschwerden wie starke oder anhaltende Schmerzen, plötzlich auftretende Symptome, Fieber, ausgeprägte Hautveränderungen, Wunden, Lähmungserscheinungen oder unklare körperliche Beschwerden sollten fachlich abgeklärt werden.

Rotlicht kann – abhängig vom konkreten Ziel, dem verwendeten Gerät und der individuellen Situation – möglicherweise als ergänzende Maßnahme infrage kommen. Ob eine Anwendung sinnvoll ist, sollte bei bestehenden Erkrankungen mit einer qualifizierten medizinischen oder therapeutischen Fachperson besprochen werden.

Fazit: Interessante Technologie, aber kein Allheilmittel

Die Photobiomodulation ist ein interessantes und wachsendes Forschungsgebiet. Für einzelne Anwendungen, insbesondere in bestimmten dermatologischen, sportwissenschaftlichen und medizinischen Bereichen, gibt es positive wissenschaftliche Hinweise.

Die Studienlage ist jedoch uneinheitlich. Ergebnisse hängen stark von Wellenlänge, Dosis, Gerät, Behandlungsziel und Untersuchungsqualität ab. Viele populäre Gesundheitsversprechen sind bislang nicht ausreichend belegt.

Geräte wie das Bestqool Pro100 bieten technisch eine größere beleuchtete Fläche, verschiedene Rot- und Nahinfrarotwellenlängen sowie eine zeitgesteuerte Anwendung. Daraus lässt sich jedoch keine Garantie für eine bestimmte Wirkung ableiten.

Wer Rotlicht nutzen möchte, sollte auf transparente technische Angaben, realistische Werbeaussagen und eine sachgerechte Anwendung achten. Bei Erkrankungen, Beschwerden, Hautveränderungen oder der Einnahme lichtsensibilisierender Medikamente ist eine fachliche Beratung sinnvoll.

Transparenzhinweis: Das Produkt Bestqool Pro100 wird in diesem Beitrag beispielhaft als Vertreter eines größeren Rotlicht- und Nahinfrarotpanels beschrieben. Die Nennung stellt keine medizinische Empfehlung und keine Bestätigung der vom Hersteller beworbenen Wirkungen dar. Technische Produktangaben beruhen auf den Informationen des Herstellers und wurden von theralupa.de nicht unabhängig geprüft.

Gesundheitshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine Diagnose, Therapie oder individuelle Beratung durch einen Arzt, Heilpraktiker oder eine andere entsprechend qualifizierte Fachperson.

 

VÖ 7/2026
Text Peter Reiz, mit KI Unterstützung erstellt
Foto KI generiert rotlichttherapie-wellness.jpg