Gemeine Schafgarbe - Achillea millefolium

Der Gattungsname Achillea geht auf den griechischen Helden des Trojanischen Krieges Achille(u)s zurück, der die Pflanze als Droge entdeckt und zur Wundheilung verwendet haben soll, während der lateinische Artname millefolium (= „Tausendblatt“) auf die fein zerteilte Blattspreite anspielt.
Der deutsche Pflanzenname „Garbe“ beruht auf dem mittelhochdeutschen Wort „garwe“.
Die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae oder Compositae) und ist mit typischen Wildkräutern wie Löwenzahn, Arnika oder Wermut verwandt. Die Gattung der Schafgarben (Achillea) ist sehr artenreich, und man nimmt an, dass es bis zu 200 Arten, Unterarten oder Kleinarten innerhalb dieser Gattung gibt.
Die Schafgarbe war Heilpflanze des Jahres 2004 und Arzneipflanze des Jahres 2025.
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Woran erkennt man die Schafgarbe?
Es handelt sich um ausdauernde, mehrjährige Pflanzen oder Halbsträucher mit Wuchshöhen zwischen 60 und 140 cm. Das Rhizom ist dünn und waagerecht und bildet bis zu 100 cm lange unter- oder oberirdische Ausläufer. Die Blätter sind zwei- bis vierfach wechselständig und gefiedert. Die Stängel sind sehr stabil und haben feine Drüsenhaare. Die Grundblätter sind anfangs länglich.
Der doldenartige Blütenstand enthält zahlreiche körbchenförmige Trugdolden. Diese haben eine 3 bis 6 mm hohe becherförmige Hülle mit einem Durchmesser von mehr als 2 Millimeter. Die mehrreihig angeordneten Hüllblätter sind hautrandig. Die Blütenkörbchen enthalten Röhren- und 4 bis 6 Zungenblüten, deren Zunge etwa so lang wie breit ist, wobei sie zwischen einem Drittel bis genauso lang ist wie die Hülle. Die Zungenblüten sind oberseits meist weiß, selten auch rosa. Die Röhrenblüten sind ebenfalls weißlich oder rötlich. Die Blüten besitzen einen angenehm süßlichen Geruch und die Blütezeit reicht meist von Mai bis Juni.
Jede gelbliche bis graue Frucht, die sich nach der Bestäubung bildet, ist geflügelt und enthält bräunliche und längliche Samen.
Wo findet man die Schafgarbe?
Die Gewöhnliche Schafgarbe kommt ursprünglich aus Eurasien sowie Nord- und Mittelamerika. In Südamerika, Afrika, Australien, Neuseeland und auf Hawaii wurde sie eingeschleppt und ist daher dort ein Neophyt.
In Europa ist sie bis zum Polarkreis verbreitet und in den Alpen bis in Höhenlagen von etwa 1900 m anzutreffen. Sie ist fast weltweit verbreitet. Nur im Mittelmeerbereich kommt sie seltener vor.
Als Standort bevorzugt die Pflanze sonnige, trockene Standorte auf Wiesen, (Schaf-)Weiden, Halbtrockenrasen, Acker- und Wegrändern.
Sie gehört zu den Wurzelkriechern und Pionierpflanzen. Sie gilt als Bodenfestiger und Nährstoffzeiger vor allem für stickstoffhaltige Böden.
Wie wirkt die Schafgarbe?
Zubereitungen aus Schafgarbenkraut wirken gallenflussanregend (choleretisch), antibakteriell, zusammenziehend (adstringierend), entzündungshemmend (antiphlogistisch) und krampflösend (spasmolytisch). Die entzündungshemmende Wirkung wird dabei vor allem den Sesquiterpenlactonen zugeschrieben. Die spasmolytische Wirkung konnte in experimentellen Untersuchungen nachgewiesen werden. Extrakte von Achillea millefolium hemmen Kontraktionen der glatten Darmmuskulatur.
Bei der innerlichen Verabreichung wird Schafgarbenkraut vorwiegend bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden verwendet, wie Völlegefühl, krampfartige Erscheinungen im Verdauungstrakt, Flatulenzen [Blähungen]. Weitere Anwendungsgebiete sind schmerzhafte Krampfzustände psychovegetativen Ursprungs im kleinen Becken der Frau, hierzu finden Sitzbäder aus dem Kraut Anwendung.
In der Volksheilkunde wird Schafgarbenkraut zur Anregung der Gallensaftproduktion sowie bei Blasen- und Nierenerkrankungen und Menstruationsbeschwerden eingesetzt.
Bei äußerlicher Anwendung werden Schafgarbenauszüge wegen ihrer antibakteriellen und adstringierenden Wirkung bei Entzündungen, Wunden, Hämorrhoiden und zur Verringerung übermäßiger Schweißbildung verwendet. Schafgarbe wird gelegentlich bei frischen, oberflächlichen Wunden genutzt.
Sie kann unterstützend bei entzündeter oder schmerzhafter Haut Linderung verschaffen. Bei der äußerlichen Verwendung auf der Haut bei Hautunreinheiten und Ekzemen in Form von Tinkturen, Umschlägen oder Kompressen sollte die Sonne gemieden werden, da Schafgarbe eine photosensitive Reaktion hervorrufen kann.
Als gesichert gilt die hepatoprotektive (leberschützende) Eigenschaft der Schafgarbe und ihrer Extrakte.
Weiterhin soll die Gemeine Schafgarbe schweißtreibend und blutdrucksenkend (vor allem bei Arterieller Hypertonie [Bluthochdruck] mit Neigung zur Thrombose) sein und gegen Fieber helfen.
Die enthaltenen Flavonoide und Sesquiterpenlactone sind möglicherweise dafür verantwortlich, dass bestimmte Krebszellen nicht mehr wachsen können und absterben. Diese möglichen Wirkungen werden u.a. bei der Therapie von Leukämie, Gebärmutterhalskrebs und Hautkrebs beachtet.
Neuere Studien weisen darauf hin, dass wässrige Schafgarbenextrakte unterstützend bei der Therapie von Multipler Sklerose sein können.
Das HMPC hat Schafgarbenkraut und Schafgarbenblüten als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft.
In der Homöopathie findet die Schafgarbe Anwendung bei Krämpfen, Magen-Darm-Beschwerden, juckenden Hauterkrankungen, Blutungen und als Mittel gegen Krampfadern.
Zusammengefasst die Anwendungsgebiete für die Schafgarbe
- choleretisch
- antibakteriell
- adstringierend
- Frauenkrankheiten
- antibiotisch
- antimikrobiell
- appetitanregend
- schleimlösend
- antioxidativ
- verdauungsfördernd
- teilweise antimykotisch
- schmerzlindernd
- Afterjucken
- Akne
- Angina Pectoris (unterstützend)
- Appetitlosigkeit
- Aufgesprungene Hände
- Augenringe
- Blähungen
- Bluthochdruck
- Blutungen
- chronische Beckenschmerzen bei Frauen (Parametropathia spastica)
- Diabetes
- Durchfall
- Ekzeme
- Erkältung
- Erysipel
- Endometriose
- Gallenkoliken
- Gastritis
- Geschwüre
- Gicht
- Magen-Darm-Beschwerden
- blutreinigend
- blutstillend
- desinfizierend
- entzündungshemmend
- gefäßtonisierend
- krampflösend
- wundheilend
- Durchblutungsstörungen
- Neuralgien
- Nierenschwäche
- Östrogen-Dominanz
- Pfortaderstauungen
- Rheuma
- Schaufensterkrankheit
- Schnupfen
- Schuppenflechte
- Sonnenbrand
- unterstützende Wundbehandlung
- Verdauungsschwäche
- Verstopfung
- Völlegefühl
- Wechseljahrsbeschwerden
- Weißfluss
- Wunde Brustwarzen beim Stillen
- Gürtelrose
- Hämorrhoiden
- Herzschwäche
- Kopfschmerzen
- Krampfadern
- Kreislaufschwäche
- leichtere Gallenbeschwerden
- Menstruationsbeschwerden
- Multiple Sklerose (unterstützend)
Welche Wirkstoffe enthält die Schafgarbe?

Die Gemeine Schafgarbe enthält hauptsächlich als Inhaltsstoffe 1 % oder mehr ätherisches Öl (mit Campher [bis 20 %], α- Pinen [bis 5 %] und β-Pinen [bis 23 %], 1,8-Cineol [bis 10 %], α-Caryophyllen [bis 10 %] und Sabinen), azulenbildende Sesquiterpenlactone (Proazulene) (Achillicin [s. Abbildung], Achillin, 8-Desacetyl-8a-tigloylmatricin, Rupicolin A+B, Desacetoxymatricarin) und nichtazulenbildende Sesquiterpenlactone (Acetylbalchanolid, Balchanolid, Dehydroparthenolid, Millefolid, Millefin, Achillifolin).
Begleitstoffe sind Flavonoide (meist Flavone, wie Glykoside von Apigenin und Luteolin), Cumarine, Polyine (Ponticaepoxid), Kaffeesäurederivate und stickstoffhaltige Verbindungen (Achillein), Salicylate, Gerbstoffe, Bitterstoffe sowie verschiedene Mineralstoffe, insbesondere Kalium.
Chamazulen und andere Azulene werden erst bei der Wasserdampfdestillation aus Proazulenen gebildet.
Aufgrund der verschiedenen Chemotypen existieren die angegebenen Inhaltsstoffe in sehr variablen Mengen.
Welche Teile der Pflanze werden verwendet?
Verwendet werden die zur Blütezeit geernteten frischen oder getrockneten oberirdischen und zerkleinerten Teile (Blätter, Blüten und Stängel, Schafgarbenkraut - Millefolii herba) sowie die Blüten (Schafgarbenblüten – Millefolii flos). Letztere werden aus ökonomischen Gründen nur selten verwendet, stellen aber die qualitativ hochwertigere Droge dar.
Im Handel erhältliches Drogenmaterial stammt zumeist aus Südost- und Osteuropa sowie aus Deutschland.
Warnhinweise
Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit sollten auf die Verwendung von Schafgarbe verzichten.
Gleiches gilt für Allergiker, die auf Korbblütler reagieren, es sind Kreuzallergien möglich.
Zubereitung von Tee und Tinktur
Aus der Arzneidroge werden unter anderem Extrakte, Pulver, Teemischungen und Tinkturen hergestellt (Millefolii extractum), die in Fertigarzneimitteln wie Tropfen und Filmtabletten erhältlich sind.
Schafgarbe ist ein typischer Bestandteil von Magentees.
Für einen die Verdauung unterstützenden Schafgarbentee wird 1 Teelöffel Schafgarbenkraut mit ca. 150 ml kochendem Wasser übergossen. Dann lässt man 10-15 Minuten ziehen (abgedeckt, damit sich die wertvollen ätherischen Öle nicht verflüchtigen) und gießt dann ab. Es wird empfohlen, täglich nicht mehr als drei Tassen des Tees zu trinken. Wenn der Tee nur aus Blüten besteht, genügen zwei Tassen pro Tag, da in diesen in der Regel höhere Anteile an ätherischen Ölen vorhanden sind.
Soll die Wirkung appetitanregend sein, erfolgt die Einnahme ca. eine halbe Stunde vor der Mahlzeit, bei Verdauungsbeschwerden nimmt man den Tee nach den Mahlzeiten zu sich.
Äußerlich kann Schafgarbentee in Bädern, für Waschungen oder Kompressen verwendet werden.
Vollbäder eignen sich beispielsweise bei Neuralgien. Aber auch gegen Geschwüre, schlecht heilende Wunden und Schuppenflechte eignet sich diese Form der Anwendung.
Da Schafgarbe Azulen enthält, kann man sie ähnlich wie Kamille anwenden.
Autor:

Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a,
50859 Köln,
Email: fh@herfurth.org
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