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Heilpflanze des Jahres 2026 - Gemeine Nachtkerze - Oenothera biennis

Gemeine Nachtkerze Oenothera biennis

 

Gewöhnliche Nachtkerze, Zweijährige Nachtkerze, Oenothera communis, O. graveolens, O. vulgaris, Eierblume, Gelbe Rapunzel, Stolzer Heinrich, Härekrut, Gelber Nachtschatten, Weinblume, Abendblume, Nachtstern, Rapontika, Sommerstern, Süßwurzel, Nachtblume, Nachtschlüsselblume, Schinkenwurz, Rapunzelsellerie, Rübenwurzel, Schinkenkraut, Weinkraut, Hustenblume.

 

Pflanzenart aus der Gattung der Nachtkerzen (Oenothera) innerhalb der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae).

 

Um 1620 wurde die Gemeine Nachtkerze in Mitteleuropa eingebürgert. Ihre ursprüngliche Heimat liegt im östlichen und zentralen Nordamerika.

Die Gemeine Nachtkerze gedeiht meist auf trockenen, nicht zu nahrhaften und möglichst kalkhaltigen Böden. Optimal gedeiht die Gemeine Nachtkerze bei hohen Temperaturen und in der Sonne. Ein halbschattiger Standort wird aber auch vertragen.

 

In ganz Europa, Vorderasien und Ostasien findet man die Nachtkerze an Wegrändern, in Kies- und Sandgruben, Steinbrüchen und auf Schotterbänken. Wegen ihrer Verbreitung entlang von Eisenbahnlinien wird sie gelegentlich als „Eisenbahnpflanze“ bezeichnet. Bereits 1884 wurde beschrieben, dass die moderne Eisenbahn einen wesentlichen Anteil an der Verbreitung dieser Pflanze hatte.

 

Menschen, die mit Phenothiazinen behandelt wurden, hatten in Einzelfällen epileptische Anfälle.

Wechselwirkungen mit Antithrombotika sind nicht auszuschließen.

Während der Schwangerschaft sollte Nachtkerzenöl nur nach strenger Indikationsstellung gegeben werden.

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Übelkeit, Verdauungsstörungen, Durchfall und Kopfschmerzen.

 

Woran erkennt man die Gemeine Nachtkerze?

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) ist eine zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 0,8 bis 1,8 m, an idealen Standorten auch bis 2 m. Sie bildet im ersten Jahr eine bodennahe Blattrosette mit einer weißlichen, kräftigen, fleischigen Pfahlwurzel, die meist nur wenig behaart ist. Im zweiten Jahr entwickelt sich daraus ein grüner oder im unteren Bereich rötlich überlaufener ungetupfter Stängel. Dieser kann einfach oder spärlich verzweigt ausgebildet sein und ist dicht bis spärlich behaart.

 

Die Gemeine Nachtkerze blüht zwischen Mitte Juni und Anfang Oktober.

Die gelben, angenehm duftenden Blüten stehen in einem meist unverzweigten ährigen Blütenstand zusammen. Sie öffnen sich erst gegen Abend und werden zur Bestäubung vor allem von Nachtfaltern und Schwärmern aufgesucht.

Aus den Blütenständen entwickeln sich längliche Fruchtknoten mit bis zu 5 cm langen, vierkantigen Kapselfrüchten. Darin befinden sich zwei Fruchtfächer mit jeweils bis zu 200 dunkelbraunen Samen. Da jede Pflanze mehr als 20.000 Samen ausbilden kann, lässt sich dadurch auch die schnelle Ausbreitung in sehr kurzer Zeit erklären.

 

Bei den Blättern der Nachtkerze muss in Grundblätter und Stängelblätter unterschieden werden.

Während die eiförmigen, länglichen Grundblätter in einer Blattrosette angeordnet sind, sind die am Stängel wachsenden Stängelblätter wesentlich kleiner. Charakteristisch für diese sind die Blattnerven, wobei der Hauptnerv rötlich gefärbt ist, die seitlich verlaufenden Nerven sind eher farblos.

 

Wie wirkt die Gemeine Nachtkerze?

Nachtkerzenöl wird zur Behandlung und symptomatischen Erleichterung bei Neurodermitis innerlich verwendet. Die Behandlung verschiedener Hautleiden gilt als Hauptanwendungsgebiet der Nachtkerze, vor allem deshalb, weil die in den Samen enthaltenden Inhaltsstoffe entzündungshemmend und juckreizlindernd wirken.

 

In der Naturheilkunde findet es außerdem Anwendung bei Asthma, Heuschnupfen, Bluthochdruck, Migräne und Rheuma.

Nachtkerzenöl kann bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden genutzt werden.

Ziemlich neu ist die Anwendung von Nachtkerzenpräparaten bei der Behandlung des prämenstruellen Syndroms (PMS), was sich durch Müdigkeit, Unterleibsschmerzen, Schleimhautreizungen, Durchfall und Hautbeschwerden bemerkbar macht.

 

Die europäische Arzneimittelagentur (EMA / HMPC) stuft Nachtkerzenöl als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Die Anwendung beruht dabei vor allem auf langjähriger Erfahrung.

Die Anwendung zur Behandlung und zur symptomatischen Linderung des atopischen Ekzems (Neurodermitis) ist insbesondere bei begleitendem Juckreiz zugelassen.

Von ESCOP wurde Nachtkerzenöl bisher nicht bearbeitet, und auch von der Kommission E gibt es zurzeit noch keine Monografien dafür.

 

Traditionell werden Nachtkerzenpräparate, insbesondere das Nachtkerzenöl, in der Volksmedizin auch bei Hyperaktivität von Kindern, erhöhtem Cholesterinspiegel, prämenstruellem Syndrom, Multipler Sklerose, Diabetes mellitus, Akne, Schuppenflechte und rheumatoider Arthritis eingesetzt.

Es wurde eine immunstärkende Wirkung beobachtet, was vor allem daher kommt, dass g-Linolensäure die Produktion weißer Blutkörperchen unterstützen kann.

 

Zusammenfassung der Anwendungsgebiete der Gemeinen Nachtkerze

 

  • adstringierend
  • beruhigend
  • stärkend
  • Asthma
  • Bluthochdruck
  • Darmbeschwerden
  • Durchfall
  • Ekzem
  • Gicht
  • Husten
  • Magenbeschwerden
  • Prämenstruelles Syndrom
  • Quetschung
  • Wechseljahrsbeschwerden
  • Arteriosklerose
  • Ekzeme
  • Hautprobleme
  • Rekonvaleszenz
  • Durchfall
  • Stärkung des Immunsystems
  • Hautbeschwerden,
  • juckende oder schuppende Haut
  • Neurodermitis
  • Prämenstruelles Syndrom (PMS)
  • Rheuma
  • rheumatoide Arthritis

Welche Wirkstoffe sind in der Gemeinen Nachtkerze enthalten?

Hauptinhaltsstoff des aus den Samen gewonnenen fetten Öls von hellgelber bis gelber Farbe sind vor allem Triglyceride mit einem hohen Anteil an Linolsäure (von 65 % bis 80 %) und als γ-Linolensäure (8 % bis 14 %) [s. Abb.].

Formel Heilpflanze des Jahres

 

Weitere Fettsäuren sind Ölsäure mit etwa 11 %, Palmitinsäure mit etwa 10 % und Stearinsäure mit etwa 3,5 %. γ-Linolensäure ist pharmakologisch deshalb von Bedeutung, da sie eine Vorstufe der entzündungshemmenden Eicosanoide ist.

Das Nachtkerzenöl ist in Wasser praktisch unlöslich.

 

Nachtkerzenkraut enthält neben den Flavonoiden Delphinidin und Cyanidin verschiedene Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure, Neochlorogensäure, p-Cumarsäure u.a.). Ferner enthält das gesamte Kraut ca. 7 % Gerbstoffe, in den Blättern sind es sogar ca. 12 %. Außerdem sind Phytosterole, Harze, Stärke, Proteine, Mineralstoffe und Zucker enthalten.

 

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?

Aus den zerkleinerten Samen wird durch Warmpressen und Raffinieren das fette Nachtkerzenöl (Rhapontikaöl) (Oleum Oenotherae).

 

Bereits die nordamerikanischen Ureinwohner verwendeten die zu Brei zerstampften Samen der Gemeinen Nachtkerze als Heilmittel.

 

Weiterhin kommt das getrocknete Kraut von Oenothera biennis (Herba Oenotherae biennis) zum Einsatz und im Herbst wird zudem die Wurzel geerntet, die aber eher als Nahrungsmittel dient.

 

Verschiedenes

In der Vergangenheit wurde die Nachtkerze als Schinkenwurzel bezeichnet.

Die Bezeichnung kommt daher, dass sich die Wurzeln beim Kochen rötlich verfärben.

 

Nachtkerze zählt zu den essbaren und gesunden Wildkräutern.

Essbar sind alle Pflanzenteile, wobei die Blätter vor der Blüte (sie werden sonst bitter) wie Mangold oder Spinat verwendet werden.

Die Wurzeln werden nach der Blüte verwertet und erinnern geschmacklich und auch in der Zubereitung der Schwarzwurzel.

Die Stängel sind zwar essbar, stellen aber in geschmacklicher Hinsicht kein Highlight dar.

 

Nachtkerzenöl wird als Nahrungsergänzungsmittel beispielsweise bei erhöhten Blutfettwerten angewandt und ist außerdem Bestandteil in diversen Körperpflegemitteln und Kosmetika.

 

Autor:

Dr. rer. nat. Frank Herfurth - Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker

Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a, 
50859 Köln, 
Email: fh@herfurth.org 

04/2026
Beitragsbild "Gemeine Nachtkerze" mit KI erzeugt - https://gamma.app/de