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Paartherapie bei festgefahrenen Beziehungsmustern – eine systemische Perspektive

Paartherapie

Viele Paare suchen therapeutische Unterstützung nicht, weil sie sich grundsätzlich nicht mehr lieben, sondern weil sie sich in immer gleichen Beziehungsmustern wiederfinden. Gespräche drehen sich im Kreis, Konflikte eskalieren oder werden vermieden, Nähe und Distanz geraten aus dem Gleichgewicht. Häufig berichten Paare, dass sie „alles schon gesagt“ haben – und dennoch keine Veränderung spürbar wird.

Aus systemischer Sicht liegt der Fokus in der Paartherapie weniger auf Schuldfragen oder Persönlichkeitsmerkmalen, sondern auf den wiederkehrenden Dynamiken, die sich zwischen zwei Menschen etabliert haben. Festgefahrene Beziehungsmuster entstehen aus individuellen Prägungen, gemeinsamen Erfahrungen und unbewussten Anpassungsleistungen – und stabilisieren das Beziehungssystem, auch wenn sie für beide Seiten leidvoll sind.

Festgefahrene Muster als Beziehungsschutz

Typische Beziehungsmuster zeigen sich etwa als Rückzug und Vorwurf, Anpassung und Kontrolle oder Eskalation und Schweigen. Diese Dynamiken wirken oft automatisch und entziehen sich der bewussten Steuerung. Aus systemischer Perspektive erfüllen sie eine Funktion: Sie schützen vor emotionaler Überforderung, vor Näheverlust oder vor dem Wiedererleben früherer Verletzungen.

Veränderung wird dadurch ambivalent erlebt. Einerseits besteht ein hoher Leidensdruck, andererseits bedeutet das Verlassen vertrauter Muster Unsicherheit. Systemische Paartherapie setzt genau an diesem Spannungsfeld an.


Die Beziehung als gemeinsames System

Systemische Paartherapie betrachtet die Beziehung als eigenständiges System mit eigenen Regeln, Kommunikationsformen und Gleichgewichten. Schwierigkeiten werden nicht isoliert einer Person zugeschrieben, sondern im Zusammenhang mit dem Zusammenspiel beider Partner verstanden.

Ein zentraler Aspekt ist dabei die biografische Perspektive: Frühere Bindungserfahrungen, familiäre Rollenbilder und emotionale Lernprozesse wirken in aktuellen Partnerschaften fort. Ein bindungspsychologischer Blick – wie ihn auch Sylke Richter in „Eure Liebe“ beschreibt – verdeutlicht, dass Partnerschaften häufig unbewusst frühe Beziehungserfahrungen aktivieren. Nicht um zu scheitern, sondern weil Beziehung Entwicklung anstößt und alte Schutzstrategien im Kontakt sichtbar werden.


Arbeit mit Mustern, nicht gegen Personen

In der therapeutischen Arbeit geht es darum, Beziehungsmuster sichtbar, beschreibbar und erlebbar zu machen. Dazu werden neben Gesprächen auch strukturierte Interventionen eingesetzt, die das Beziehungsgeschehen im Raum abbilden.

Systemische Aufstellungen oder Paar-Skulpturen – in Anlehnung an die Arbeit von Virginia Satir – ermöglichen es, innere Haltungen, Nähe-Distanz-Regulationen und emotionale Positionen körperlich darzustellen. Paare erleben dabei häufig erstmals, wie ihre Beziehung „von außen“ wirkt und welche impliziten Botschaften durch Haltung, Blick oder Abstand vermittelt werden.

Diese Form der Arbeit schafft oft mehr Erkenntnis als rein kognitive Gespräche, da Beziehung nicht nur gedacht, sondern körperlich erlebt wird.


Kommunikation jenseits von Vorwurf und Verteidigung

Ein weiterer Schwerpunkt systemischer Paartherapie liegt auf der Art der Kommunikation. Dabei geht es weniger um rhetorische Techniken als um emotionale Zugänglichkeit und innere Klarheit. Paare lernen, zwischen Bedürfnis, Reaktion und Schutzmechanismus zu unterscheiden.

Angelehnt an humanistische und bindungsorientierte Konzepte – wie sie auch Virginia Satir vertreten hat – wird Kommunikation als Ausdruck innerer Zustände verstanden. Ziel ist es, hinter Vorwürfen, Rückzug oder Kontrolle die eigentlichen Bedürfnisse nach Sicherheit, Anerkennung oder Zugehörigkeit wahrnehmbar zu machen.


Veränderung durch neue Beziehungserfahrungen

Veränderung in der Paartherapie entsteht nicht allein durch Einsicht, sondern durch neue Erfahrungen im gemeinsamen Kontakt. Paare erleben, dass Nähe ohne Anpassung, Abgrenzung ohne Rückzug und Konflikt ohne Eskalation möglich sein können.

Therapeutische Interventionen zielen darauf ab, diese neuen Erfahrungen schrittweise zu ermöglichen – in einem sicheren, strukturierten Rahmen. Dadurch erweitert sich der Handlungsspielraum des Paares, und bisher starre Muster verlieren an Dominanz. 

In meiner Praxis für Paartherapie in München begleite ich Paare mit sehr unterschiedlichen Beziehungsgeschichten. Als Heilpraktiker für Psychotherapie mit systemischem Schwerpunkt erlebe ich immer wieder, dass nicht einzelne Themen das eigentliche Problem darstellen, sondern fest etablierte Beziehungsmuster, die sich über Jahre verfestigt haben. Diese theoretischen Zusammenhänge zeigen sich auch ganz konkret in der praktischen Paartherapie.


Mini-Fallvignette: Nähe und Rückzug

Ein Paar Mitte vierzig kam in die Paartherapie, weil Gespräche zunehmend vermieden wurden. Sie wünschte sich mehr Nähe und Austausch, er zog sich bei Konflikten zurück. In der systemischen Betrachtung zeigte sich ein vertrautes Muster: Je mehr Nähe eingefordert wurde, desto stärker wurde der Rückzug – was wiederum den Druck erhöhte.


Mithilfe einer Paar-Skulptur nach Virginia Satir wurde sichtbar, wie beide Partner emotional zueinander standen. Diese körperliche Darstellung ermöglichte erstmals ein gegenseitiges Verstehen jenseits von Vorwurf und Rechtfertigung.


Mini-Fallvignette: Nähe als Wunsch und Überforderung

Ein Paar Anfang vierzig suchte Paartherapie in München, weil sich Konflikte trotz emotionaler Verbundenheit immer wieder an denselben Stellen entzündeten. Gespräche führten zwar zu Einsicht, aber nicht zu Veränderung.

In der systemischen Betrachtung zeigte sich, dass beide Partner Nähe wollten, sie jedoch sehr unterschiedlich regulierten. Angelehnt an bindungspsychologische Perspektiven aus „Eure Liebe“ (Sylke Richter) wurde deutlich, wie früh erlernte Schutzstrategien unbewusst aktiviert wurden. Nähe wurde gleichzeitig gesucht und abgewehrt.

Erst als diese Dynamik nicht mehr moralisch bewertet, sondern als nachvollziehbare Beziehungserfahrung verstanden wurde, konnten neue Formen von Kontakt und Selbstregulation entstehen.


Ziel systemischer Paartherapie

Das Ziel systemischer Paartherapie ist nicht vorgegeben. Es geht nicht um die Rettung um jeden Preis, sondern um Klarheit, Bewusstheit und Entscheidungsfähigkeit. Manche Paare finden zu neuer Verbindung, andere treffen bewusste Entscheidungen über Trennung oder Neuausrichtung – respektvoll und reflektiert.

Festgefahrene Beziehungsmuster lassen sich verändern, wenn sie verstanden, erlebt und im gemeinsamen Kontext bearbeitet werden. Systemische Paartherapie bietet hierfür einen professionellen, wertschätzenden und erfahrungsorientierten Rahmen.


Text: Daniel Urban, Heilpraktiker für Psychotherapie & Paartherapeut, München
Homepage: https://therapie-coaching-muenchen.de

Text und Bild mit KI-Unterstützung erstellt.