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Blutwurz Potentilla erecta

Blutwurz Potentilla erecta

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Blutwurz (Potentilla erecta) gehört zur artenreichen Familie der Rosengewächse (Rosaceae), zu der auch andere bekannte Nutzkräuter wie Odermennig, Frauenmantel oder Mädesüß gehören.

 

Im engeren Sinne zählt sie zur Gattung der Fingerkräuter (Potentilla) mit etwa 400 bis 500 Arten, von denen in Mitteleuropa vor allem das Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) sowie das Kriechende Fingerkraut (Potentilla reptans) von Bedeutung sind.

 

Der Wurzelstock der Pflanze färbt sich an frischen Bruch- oder Schnittflächen schnell blutrot an, worauf wahrscheinlich der Name „Blutwurz“ zurückgeht.

Möglicherweise hat sie ihren Namen auch von seiner früheren volkstümlichen Verwendung zur Förderung der Blutgerinnung. Dafür wurde der im Wurzelstock enthaltene Stoff „Tormentillrot“ (rotbraune Oxidationsprodukte von Catechingerbstoffen) verantwortlich gemacht.

Woran erkennt man die Blutwurz?

Die Blutwurz ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 10 bis 30 cm, manchmal aus bis 50 cm. Sie wächst aus einem kräftigen, ausgedehnten, kriechenden und verholzten Rhizom mit einem Durchmesser von 1 bis 3 cm. Es ist innen weiß, läuft aber an Schnittflächen blutrot an. Der Stängel ist aufrecht bis niederliegend.

 

Die Stängelblätter bestehen aus fünf Teilblättern, die oval und grob gezähnt sind.

Die Rosettenblätter sind lang gestielt und dreiteilig (selten einzelne vier- bis fünfteilig), grob und gezähnt.

 

Die Blüten sitzen auf langen, dünnen Stielen einzeln in den Blattachseln und haben einen Durchmesser von etwa 1 cm. Die Kelchblätter sind etwa so lang wie die Kronblätter. Diese sind gelb, stehen frei, sind verkehrt-herzförmig und haben eine Länge 4 bis 5 mm lang.

Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober.

Die Blüten sind im oberen Bereich leuchtend gelb und gehen zum Blütengrund hin in einen orangen Farbton über.

 

Im Anschluss an die Blütezeit entwickeln sich kleine Nussfrüchte mit hellbraunen und leicht rundlichen Samen.

 

Wo findet man die Blutwurz?

Die Blutwurz kommt in den gemäßigten Zonen Europas ostwärts bis zum Altai vor. Im Süden findet man sie nur in den Gebirgen. Im östlichen Nordamerika wurde sie wahrscheinlich eingeschleppt. Bevorzugte Standort sind Mischwälder, Heiden, Magerwiesen, Streuwiesen und Niedermoore mit mäßig sauren Böden. Die Pflanze gilt als Magerkeitszeiger.

 

Wie wirkt die Blutwurz?

Blutwurz ist eine ausgezeichnet verträgliche Gerbstoffdroge, die akute Durchfälle lindert.

In der Pflanzenheilkunde wird das schwarzbraune, in der Sonne getrocknete, von den Wurzeln befreite und zerkleinerte Rhizom verwendet.

 

Die Wurzeln und ihre Heilwirkung sind bereits seit Antike bekannt.

Im Mittelalter war die Blutwurz ein wichtiges Arzneimittel für zahlreiche Beschwerden wie gegen die Pest, bei Schwierigkeiten mit dem Harndrang, zur Vermeidung von Frühgeburten, gegen Scharlach und Fieber.

 

Ferner wurde die Blutwurz gegen Menstruationsbeschwerden, zur Wundheilung und bei nicht näher bezeichneten Augenproblemen verwendet.

 

Der Saft der Pflanze hat sich im Laborversuch als hemmend auf das Wachstum von Bakterien und Viren erwiesen.

 

Blutwurz wirkt stark zusammenziehend (adstringierend), austrocknend und entzündungshemmend (antiphlogistisch), daher werden Tormentill-Zubereitungen wie andere gerbstoffhaltige Drogen (Eichenrinde, Ratanhiawurzel) äußerlich in Form von Spülungen oder zum Einpinseln bei entzündlichen Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut, bei Zahnfleischentzündungen und anderen Erkrankungen des Rachens und des Kehlkopfes sowie gegen Hämorrhoidalleiden und bei Verbrennungen verwendet.

 

Innerlich setzt man sie bei akuten, unspezifischen Durchfallerkrankungen und bei Enteritis und Fieber sowie zur Stärkung des Magens ein. Für die traditionelle Anwendung sowohl bei akuten, unspezifischen Durchfallerkrankungen als auch bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum gibt es langjährige Anwendungserfahrungen.

Bei in-vitro-Experimenten mit Tormentill-Extrakten zeigten sich adstringierende, antibakterielle und antioxidative Eigenschaften und es gab bei Tormentill-Bestandteilen Hinweise auf hypoglykämische und antitumorale Eigenschaften.

 

Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der EMA (HMPC) stuft Tormentillwurzelstock als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei mildem Durchfall sowie bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum ein.

 

Zusammengefasst die Anwendungsgebiete für die Blutwurz

 

  • adstringierend

  •  

    antiallergisch

  •  

    antibakteriell

  •  

    blutstillend

  • verdauungsfördernd

  • blutzuckersenkend

  • entgiftend

  • immunstimulierend

  • krampflösend

  • schmerzlindernd

  • menstruationsfördernd

  • Abwehrschwäche

  • Afterjucken

  • Appetitlosigkeit

  •  

    Blähungen

  •  

    Diabetes

  • Durchfall

  • Erkältungen

  • Fieber

  • Gicht

  • Halsentzündung

  • Hämorrhoiden

  • Magen- und Darmbeschwerden

  • Mandelentzündung

  • Mundschleimhautentzündung

  • Quetschung

  • Rachenentzündungen

  • Reisekrankheit

  • Rheuma

Welche Wirkstoffe enthält die Blutwurz?

Im Tormentillwurzelstock sind Gerbstoffe (15 % bis 22 %, vorwiegend kondensierte Catechingerbstoffe) enthalten.
Formel Blutwurz

Außerdem kommen in geringen Mengen Elllagittannine (Ellagitannin, Gallotannin) und Phenolcarbonsäuren sowie als Leitsubstanz das Triterpensäureglucosid (ein Saponin) Tormentosid vor.

Weitere Inhaltsstoffe sind ätherische Öle, Flavonoide (Kämpferol), Proanthocyanide, Harze, der rote Farbstoff Tormentol, das Glykosid Tormentillin und Triterpensäuren wie z.B. Tormentillsäure (s. Abbildung).

 

Welche Teile der Pflanze werden verwendet?

In der Pflanzenheilkunde verwendet man die von den Wurzeln befreiten, getrockneten dunkelbraunen bis rotbraunen, unregelmäßig geformten und sehr harten Rhizome (Tormentillae rhizoma, syn. Radix Tormentillae, Rhizoma Tormentillae, Tormentillwurzel).

 

Bestandteil der Schnittdroge sind die dunkelbraunen bis rotbraunen, unregelmäßig geformten und sehr harten Rhizomstücken. Diese sind teilweise mit schwarzbraunem Kork bedeckt, manchmal sind auch die weißlichen Wurzelnarben zu sehen.

 

Warnhinweise

In seltenen Fällen können bei besonders empfindlichen Patienten Magenbeschwerden wie Übelkeit und Erbrechen auftreten.

 

Bei einer Verwendung über 3-4 Tage (innerlich) und maximal 2-3 Wochen am Stück (äußerlich) kann es zu Nieren- und Leberschädigungen kommen.

 

Die Inhaltsstoffe von Blutwurz können die Wirksamkeit anderer, parallel eingenommener Arzneimittel vermindern. Deshalb sollte eine Karenzzeit von etwa zwei Stunden eingehalten werden.

 

Kontraindikationen für die Anwendung von Blutwurz sind Überempfindlichkeit und Schwangerschaft sowie Stillzeit. Auch für den Einsatz bei Kindern und Jugendlichen stehen bisher keine ausreichenden Daten zur Verfügung.

 

Zubereitung von Tee und Tinktur

Meist verwendet man die Blutwurz als Tormentilltinktur oder als Trockenextrakt in Dragees und Kapseln sowie als Tee.

 

Zur Bereitung eines Teeaufgusses werden 2 bis 3 g fein geschnittener oder pulverisierter Tormentillwurzelstock mit ca. 150 ml kaltem Wasser angesetzt und anschließend kurz zum Sieden erhitzt. Nach kurzem Ziehen wird abgeseiht. Gerbstoffe können sich aber beim Erhitzen zersetzen, wodurch ihre Wirkung vermindert wird. Daher wird ein Kaltwasserauszug empfohlen. Dann lässt man den Ansatz länger ziehen.

 

Zur Herstellung einer Tinktur übergießt man den Wurzelstock in einem verschließbaren Behälter mit Doppelkorn, Wodka (mind. 40 Vol.-%) oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind. Diese Mischung lässt man verschlossen 2 bis 6 Wochen lang ziehen, seiht dann ab und füllt in eine dunkle Flasche ab.

Von dieser Tinktur werden 1 bis 3-mal täglich 10-50 Tropfen eingenommen.

 

Verschiedenes

In einigen Regionen, z. B. im Bayerischen Wald, stellt man aus Blutwurz Likör oder Schnaps her, der als Digestif verwendet wird.

 

Autor:

Dr. rer. nat. Frank Herfurth - Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker

Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a, 
50859 Köln, 
Email: fh@herfurth.org 

05/2026
Beitragsbild "blutwurz-potentilla-erecta" mit KI erzeugt