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Warum ich Krafttraining mache – auch an Tagen, an denen ich keine Lust habe

Kraft ist Selbstständigkeit. Kraft ist Freiheit. Und Kraft ist Vorsorge.

Ich trainiere mehrmals in der Woche mit Gewichten.

Und wenn ich ganz ehrlich bin: Nicht jedes Training beginnt mit Begeisterung.

Es gibt Tage, an denen ich mich wirklich darauf freue. Und es gibt Tage, an denen das Sofa eindeutig die bessere Idee zu sein scheint. Tage, an denen der Gedanke an Training eher wie ein zusätzlicher Punkt auf der To-do-Liste klingt als nach etwas, auf das ich Lust habe.

Trotzdem gehe ich.

Nicht etwa, weil ich ein Ausbund an Disziplin bin. Und auch nicht, weil mir Training immer leichtfällt.

Sondern weil ich irgendwann verstanden habe, dass ich nicht jedes Mal motiviert sein muss, um etwas zu tun, das mir langfristig wichtig ist.

Motivation kommt und geht. Gewohnheiten bleiben.

Genau deshalb trainiere ich nicht nur für das gute Gefühl nach einer Einheit.

Ich trainiere auch für mein zukünftiges Ich.

Für die Frau, die ich in 20, 30 oder 40 Jahren sein werde.

Ich möchte auch später noch meinen Koffer selbst ins Auto heben können. Ich möchte Einkäufe tragen, Treppen steigen und mich im Alltag frei bewegen können.

Deshalb bedeutet Kraft für mich längst mehr als sichtbare Muskeln.

Kraft bedeutet für mich Selbstständigkeit. Bewegungsfreiheit. Und ein Stück Vorsorge.

Regelmäßiges Krafttraining kann darüber hinaus positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben. Unter anderem kann es die Insulinsensitivität verbessern und damit einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes leisten.

Doch mindestens genauso spannend finde ich das, was man von außen gar nicht sieht.

Denn Training verändert nicht nur unseren Körper.

Es wirkt auch auf unsere Psyche.

Was Training mit unserem Kopf macht

Wenn wir uns bewegen, reagiert unser gesamtes System.

Das Gehirn, das Nervensystem, der Kreislauf und verschiedene Botenstoffe werden beeinflusst. Unter anderem spielen Endorphine, Dopamin und Serotonin eine Rolle.

Endorphine werden häufig mit Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Serotonin ist an verschiedenen Prozessen rund um Stimmung und Regulation beteiligt. Dopamin wiederum steht unter anderem mit Antrieb, Motivation und Belohnung in Zusammenhang.

Doch beim Krafttraining passiert noch etwas, das ich persönlich besonders interessant finde.

Unser Körper wird für eine gewisse Zeit bewusst in einen Zustand erhöhter Aktivierung versetzt.

Der Puls steigt.

Die Atmung wird schneller.

Wir spüren Spannung in den Muskeln.

Adrenalin wird ausgeschüttet.

Der Körper arbeitet.

Und genau diese körperlichen Reaktionen können uns manchmal an etwas ganz anderes erinnern.

Viele dieser Empfindungen kennen wir auch aus Angst oder Panik.

Herzklopfen.

Schwitzen.

Anspannung.

Schnelle Atmung.

Ein stark aktivierter Körper.

Der entscheidende Unterschied beim Training ist jedoch:

Wir wissen, warum das passiert.

Wir haben diese Reaktion selbst ausgelöst.

Und wir wissen, dass sie wieder nachlassen wird.

Während des Trainings können wir dadurch immer wieder erleben:

Mein Herz schlägt schnell – und trotzdem bin ich sicher.

Mein Körper ist angespannt – und trotzdem ist nichts Schlimmes passiert.

Meine Atmung ist schneller – und sie beruhigt sich wieder.

Ich kann Aktivierung wahrnehmen, ohne sofort Angst davor haben zu müssen.

Gerade diese wiederholte Erfahrung kann dabei helfen, körperliche Signale anders einzuordnen.

Nicht jedes Herzklopfen muss Gefahr bedeuten.

Nicht jede Anspannung ist ein Warnsignal.

Nicht jede starke körperliche Empfindung muss vermieden werden.

Das heißt natürlich nicht, dass Krafttraining eine Therapie bei einer Panikstörung ersetzt.

Das tut es nicht.

Aber Bewegung kann ein wertvoller Bestandteil sein, wenn es um Stressregulation, psychisches Wohlbefinden und einen besseren Umgang mit körperlicher Aktivierung geht.

Auch bei depressiven Symptomen zeigt regelmäßige Bewegung positive Effekte. Dabei kann Krafttraining ebenso wie Ausdauertraining eine unterstützende Rolle spielen.

Fortschritt, den man wirklich spüren kann

Was ich am Krafttraining außerdem sehr mag, ist seine Klarheit.

Fortschritt wird sichtbar.

Und vor allem: spürbar.

Vielleicht bewegst du zu Beginn einer Übung 20 Kilogramm.

Einige Wochen oder Monate später sind es 25 oder 30.

Vielleicht wirkt eine Bewegung am Anfang unsicher oder anstrengend.

Und irgendwann merkst du plötzlich, dass sie selbstverständlich geworden ist.

Vielleicht schaffst du eine Wiederholung mehr.

Vielleicht eine sauberere Ausführung.

Vielleicht ein Gewicht, bei dem du früher gedacht hast:

Das kann ich nicht.

Und dann stellst du irgendwann fest: Doch. Ich kann es.

Diese Erfahrung bleibt nicht unbedingt im Fitnessstudio.

Denn im Training passiert etwas, das sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen kann.

Du setzt dir ein Ziel.

Du arbeitest daran.

Du erlebst Rückschritte.

Du machst trotzdem weiter.

Du kommst an Tagen, an denen es leichtfällt.

Und du kommst manchmal auch an Tagen, an denen es schwerfällt.

Du bleibst dran.

Und irgendwann gibt es diesen Moment, in dem du merkst: Ich habe etwas geschafft, das ich mir vorher nicht zugetraut habe.

Das trainiert nicht nur Muskeln.

Es kann auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken.

Stärke muss nicht laut sein

Wenn ich an mentale Stärke denke, denke ich heute nicht mehr unbedingt an Härte.

Nicht an ständige Motivation.

Nicht an perfekte Disziplin.

Und schon gar nicht daran, immer voller Energie zu sein.

Für mich zeigt sich Stärke oft viel leiser.

Darin, etwas zu tun, obwohl man gerade keine große Lust darauf hat.

Darin, nicht auf den perfekten Moment zu warten.

Darin, sich nicht jedes Mal neu überzeugen zu müssen.

Darin, den eigenen Weg weiterzugehen, auch wenn er sich nicht immer leicht anfühlt.

Vielleicht bedeutet mentale Stärke deshalb gar nicht, Widerstände vermeiden zu können.

Vielleicht bedeutet sie vielmehr: Zu erleben, dass ich einen Widerstand aushalten und überwinden kann.

Im Training ist dieser Widerstand ziemlich konkret.

Manchmal liegt er als Hantel vor mir.

Manchmal zeigt er sich einfach in der letzten Wiederholung, die plötzlich sehr viel schwerer ist als die ersten.

Im Alltag sehen Widerstände natürlich anders aus.

Sie können Unsicherheit sein.

Angst.

Erschöpfung.

Ein schwieriges Gespräch.

Eine Veränderung.

Oder einfach dieser innere Satz:

Heute kann ich nicht.

Und genau deshalb mag ich Krafttraining so sehr.

Weil es mir immer wieder eine kleine Erfahrung schenkt:

Ich habe etwas Schweres vor mir.

Ich versuche es trotzdem.

Ich halte den Widerstand aus.

Und irgendwann merke ich: Ich kann mehr, als ich gerade gedacht habe.

Vielleicht ist das für mich der wichtigste Teil von Krafttraining.

Nicht das Gewicht auf der Hantel.

Nicht das, was andere von außen sehen.

Sondern dieses stille Vertrauen in den eigenen Körper und in die eigene Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen.

Das ist für mich Leise Stärke.

Krafttraining ist für mich mehr als Muskelaufbau

Es stärkt auch das Gefühl, dem eigenen Körper vertrauen zu können.

Es stärkt Ausdauer.

Selbstwirksamkeit.

Und manchmal auch den Mut, Dinge zu tun, die sich im ersten Moment schwer anfühlen.

Vielleicht beginnt mentale Stärke genau dort: nicht immer Lust zu haben – und trotzdem zu wissen, wofür man losgeht.

 

Autorin: Stefanie Seubert
Praxis Leise Stärke Rödelmaier

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