Blauer Eisenhut - Aconitum napellus

Der Blaue Eisenhut ist eine Pflanzenart aus der Gattung Eisenhut (Aconitum) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).
Es handelt sich um eine traditionelle Zierpflanze und (ehemalige) Arzneipflanze. Als attraktive Gartenpflanze ist sie aber zugleich eine der giftigsten Pflanzen - wenn nicht sogar die giftigste - Europas, d. h. alle Pflanzenteile sind stark giftig. Bereits 2 g der Wurzel können einen Menschen töten.
Die Pflanze steht in Deutschland unter Naturschutz und befindet sich in Bayern auf der Vorwarnstufe der Roten Liste.
Blauer Eisenhut - Aconitum napellus:
Mönchskappe, Fischerkappe, Reiterkappe, Gifthut, (Echter) Sturmhut, Sturmkraut, Venuswagen, Venuskutsche, Apollonienkraut, Apollonienwurzel, Duwenkutschen, Duwenwagen, Eyterwurz, Fenye, Fischerkip, Giftkraut, Hambörger Mützen, Helmblom, Helgiftkraut, Helmkraut, Hundsgift, Hundstod, Luppegift, Luppewurz, Möchswurz, Münchskappen, Nappelnkraut, Narrenkappen, Papenmütze, Peterskappe, Rapenblumen, Schoblom, Wolfsgift, Ziegentod, Fuchswurz, Giftkraut, Mönchshut, Tübeli, Wolfskraut, Würgling, Akonit
Woran erkennt man den Blauen Eisenhut?
Der Blaue Eisenhut ist eine ausdauernde, mehrjährige, krautige Pflanze, die zwischen 50 und 200 cm hoch wird.
Die Wurzel ist knollenartig verdickt. Aus ihr entspringt ein aufrechter, kräftiger Stängel mit zahlreichen dunkelgrünen, dicht stehenden, wechselständigen Laubblättern.
Diese sind fast kahl und gestielt. Sie weisen eine Handform auf und sind fünf- bis siebenfach tief geteilt. Die einzelnen Spitzen der Blätter sind meist 3 bis 7 mm breit. Die unteren Blätter sind stärker gegliedert, die oberen weniger stark. Die Blattform variiert recht stark.
Die zahlreichen blauen Blüten bilden einen meist verzweigten, traubenförmigen Blütenstand. Die Hauptblütezeit ist von Ende Juni bis Anfang September.
Wo findet man den Blauen Eisenhut?
Der Blaue Eisenhut bevorzugt feuchte, nährstoffreiche, aber auch kalkhaltige Lehm- und Tonböden, wobei ein heller bis halbschattiger Standort bevorzugt wird.
Ursprünglich stammt er aus Sibirien, hat sich aber im Laufe der Eiszeiten über Europa, Asien und Amerika ausgebreitet.
Wildwachsend kommt er an Bachufern, auf feuchten Wiesen und an lichten Stellen in Auwäldern vor.
Wie wirkt der Blaue Eisenhut?
Präparate aus dem Blauen Eisenhut haben analgetische, lähmende, betäubende, neurotoxische und kardiotoxische Wirkungen. Aconitin (einer der Hauptinhaltsstoffe) ist mit dem Natriumstoffwechsel im Körper verbunden. Dadurch können Natriumionen kontinuierlich in die erregbaren Zellen von Nerven, Muskel und Herz strömen.
Heutzutage werden Zubereitungen aus dem Blauen Eisenhut ausschließlich in der Alternativmedizin verwendet, z. B. in der Homöopathie und in anthroposophischen Arzneimitteln, vorwiegend für die Behandlung von Nervenschmerzen (Neuralgien), Nervenentzündungen, Fieber, rheumatischen Beschwerden sowie gegen Grippe und bei Erkältung. In der tibetischen und chinesischen Medizin erfolgt hingegen traditionell eine Anwendung des Blauen Eisenhuts, vor allem zur Behandlung von Erkältungen, Rheuma, Nervenschmerzen und Ödemen.
Die Anwendung von Aconitum napellus birgt einige Risiken in sich. Wegen der geringen therapeutischen Breite kann es bereits im therapeutischen Dosisbereich zu Vergiftungserscheinungen kommen. Dazu sind Einzelheiten im Abschnitt über Warnhinweise angegeben. Angesichts der bereits im therapeutischen Bereich vorhandenen Risiken ist nach Einschätzung der Kommission E die Anwendung von Blauem Eisenhut nicht mehr zu vertreten.
Auch in der heutigen Phytotherapie spielt Aconitum napellus daher keine Rolle mehr.
Da es sich um eine Giftpflanze handelt, ist von einer Selbstanwendung dringendst abzuraten.
Eine Zubereitung als Tee oder Hausmittel stellt definitiv eine Kontraindikation dar. Auch äußerliche Anwendungen können wegen der Aufnahme toxischer Alkaloide durch die Haut problematisch sein. Historische oder außereuropäische Anwendungen können daher nichts daran ändern, dass der Blaue Eisenhut für die moderne Phytotherapie denkbar ungeeignet ist.
Er kann als gutes Beispiel dafür dienen, dass nicht jede traditionell verwendete Arzneipflanze heute noch für die Selbstmedikation geeignet ist. Beim Blauen Eisenhut überwiegt das Risiko mehr als deutlich einen möglichen Nutzen.
Aus den vorgenannten Gründen sind hier keine Anwendungsgebiete zusammenfassend angegeben.
Welche Wirkstoffe enthält der Blaue Eisenhut?

Wesentliche Inhaltsstoffe sind insbesondere Diterpenalkaloide wie Aconitin (s. Formel, eines der am stärksten wirksamen Pflanzengifte), Picroaconitin, Mesaconitin und Hypaconitin. Abbauprodukte der Diterpenalkaloide sind Aconin (aus dem Aconitin), Napellin, Neopellin und Neolin. Weiterhin sind Harz, Inosit, Mannit, Ephedrin, Spartein (ein Lupinen-Alkaloid), Stärke, Gerbstoffe und Aconitsäure enthalten.
Zubereitungen aus dem Blauen Eisenhut dürfen sowohl laut EG-Kosmetikrichtlinie als auch nach der deutschen Kosmetik-Verordnung kein Bestandteil in kosmetischen Mitteln sein.
Welche Teile der Pflanze werden verwendet?
Arzneilich werden vorwiegend die Eisenhutknollen (Aconiti tuber, Tubera Aconiti) verwendet, seltener auch das Eisenhutkraut (Aconiti herba, Herba Aconiti). Aus den Pflanzenteilen werden unter anderem Pulver (Aconiti tuberis pulvis), Tinkturen (Aconiti tinctura) und Extrakte hergestellt.
Die Verarbeitung der Pflanzenteile hat einen Einfluss auf den Alkaloidgehalt. Beim Erhitzen oder Kochen reduziert sich die Giftigkeit durch die Zersetzung der Alkaloide.
Warnhinweis:
Wie bereits angeführt, handelt es sich um eine der giftigsten Pflanzen Europas. Zu den Symptomen einer Vergiftung gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Gefühllosigkeit, Brennen und Kribbeln im Mund, Parästhesien am ganzen Körper, Eiseskälte, Gefühl von Eiswasser in den Blutgefäßen, Muskelschwäche, starke Schmerzen, Lähmungen, niedriger Blutdruck, Schwindel, Herzrhythmusstörungen, ventrikuläre Tachykardie, Kammerflimmern, Herzversagen, Kollaps, Koma, Atemlähmung und Tod.
Bei einem Vergiftungsfall muss sofort Erbrechen herbeigeführt werden und der Betreffende muss sofort unter notärztlicher Aufsicht in ein Krankenhaus gebracht werden.
Verschiedenes
Ein leidiges Thema im Zusammenhang mit dem Blauen Eisenhut ist seine Verwendung bei Giftmorden und Suiziden. Dies lässt sich schon bis weit in die Antike hinein nachverfolgen.
Medizinische Relevanz besitzt die Pflanze daher also vor allem aus toxikologischer Sicht.

Dr. rer. nat. Frank Herfurth
Heilpraktiker, Dozent, Lebensmittelchemiker
Ostlandstr. 53a,
50859 Köln,
Email: fh@herfurth.org
08/2026, Beitragsbild mit KI erzeugt






