zurück

Gordon-Familientraining – Praxisbeispiele aus dem Familienalltag

Überall, wo Menschen zusammenleben, treffen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Dies führt insbesondere zwischen Eltern und Kindern häufig zu Konflikten im Familienalltag. Nicht selten enden diese Konflikte tränenreich und werden mit Machtkämpfen „gelöst“.
Das Gordon-Familientraining bietet eine wirkungsvolle Alternative zu autoritärer und bestrafender oder gewährender und verwöhnender Erziehung. Es wurde 1970 von Thomas Gordon in den USA als Kursprogramm zu seinem Bestseller „Die Familienkonferenz“ entwickelt.

Der praktizierende Psychologe Gordon erkannte durch seine Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, wie wichtig eine gelingende Kommunikation und eine gewaltfreie Konfliktlösung für zwischenmenschliche Beziehungen sind. Unabhängige Studien aus unterschiedlichen Ländern belegen die positiven Effekte des Gordon-Familientrainings auf die Eltern-Kind-Beziehung.
Im Folgenden stelle ich anhand von Fallbeispielen aus meinem Familienalltag die verschiedenen Methoden des Gordon-Familientrainings näher vor.
Aktives Zuhören, wenn Ihr Kind ein Problem hat:
Wenn ein Kind verbal oder nonverbal ausdrückt, dass es ein Problem hat (im vorliegenden Fall durch Widerwillen), ist die Methode des Aktiven Zuhörens hilfreich. Wir versuchen, zu entschlüsseln, was unser Kind belastet, indem wir seine Gefühle spiegeln.


Beispiel: Mein Sohn (5 Jahre) ging seit einigen Tagen nur noch widerwillig in den Kindergarten. Grundsätzlich war er dort gut in die Gruppe integriert, hatte einige Freunde und fühlte sich wohl. Zunächst war ich ratlos, was ihn so bedrückt. Er musste in den Kindergarten, weil ich berufstätig war. Die morgendlichen Auseinandersetzungen belasteten mich sehr.


Kind: „Ich will nicht mehr in den Kindergarten!“
Mutter: „Du fühlst dich da gerade gar nicht wohl?“
Kind: „Ja. Und am Freitag bleibe ich zuhause.“
Mutter: „Der Freitag ist besonders schlimm?“
Kind: „Ja, da wollen die einen Ausflug machen.“
Mutter: „Du magst keine Ausflüge?“
Kind: „Doch, aber nur in den Wald oder auf den Spielplatz.“
Mutter: „Wo wollt ihr denn am Freitag hin?“Kind: „Altersheim.“
Mutter: „Du möchtest nicht mit ins Altersheim?“
Kind: „Nein!!! Was ist, wenn ich den Weg nicht finde?“
Mutter: „Du hast Angst, dich zu verlaufen?“
Kind (erleichtert): „JA!“


Durch Aktives Zuhören bin ich vom zunächst geäußerten Problem (nicht mehr in den Kindergarten wollen) zum eigentlichen Problem (Angst vor Verlaufen) vorgedrungen. Noch am selben Nachmittag sind wir beide den Weg vom Kindergarten zum Seniorenheim abgelaufen. Am Freitag kam mein Sohn strahlend von dem Ausflug zurück.


Wirkungsvolles Konfrontieren, wenn das Verhalten des Kindes für uns ein Problem bedeutet:
Beispiel: Trotz klarer Absprache wird der Geschirrspüler vom Kind nicht ausgeräumt und auf Erinnerungen genervt reagiert. Statt der sich ständig wiederholenden Aufforderung, jetzt endlich den Geschirrspüler auszuräumen oder mit Strafen/Strafandrohungen wie Wegnahme des Smartphones zu reagieren, erkläre ich meinem Sohn, welche Folgen sein Verhalten für mich hat. „Wenn der Geschirrspüler nicht ausgeräumt ist und sich das schmutzige Geschirr auf der Arbeitsfläche stapelt, hab ich keinen Platz zum Kochen und das nervt mich.“ Das ist für ihn nachvollziehbar und er empfindet meine Erinnerungen nicht mehr als „Lust am Meckern“.
Konfliktlösung ohne Verlierer, wenn verschiedene Bedürfnisse aufeinanderprallen:
Bei wiederkehrenden Konfliktthemen aufgrund verschiedener Bedürfnisse von Eltern und Kind (z.B. Aufräumen, Zubettgehen) empfiehlt Gordon, die jeweiligen Bedürfnisse hinter dem Konflikt herauszufinden und gemeinsam mittels Brainstorming eine Lösung zu finden, die beide Konfliktparteien akzeptabel finden.
Beispiel: Im Grundschulalter liebte mein Sohn Lego City und baute in seinem Kinderzimmer großflächige Landschaften, die über Nacht stehen bleiben sollten. Ich hatte Sorge, sein Bauwerk zu zerstören oder zu stolpern, wenn ich nachts im Dunkeln nochmal nach ihm schaute. Gemeinsam vereinbarten wir einen Bereich, der unbebaut als Durchgang freigehalten wird. So wurde sowohl sein als auch mein Bedürfnis erfüllt.
Insbesondere mit älteren Kindern bzw. Jugendlichen gibt es Auseinandersetzungen, wo das uns störende Verhalten unserer Kinder keinen unmittelbaren Einfluss auf die Erfüllung unserer eigenen Bedürfnisse hat. Beispiele sind Hausaufgaben/Lernen oder Medienkonsum. Es handelt sich hierbei um Wertvorstellungskonflikte. Auch für diese Art von Konflikten schlägt Gordon einige Methoden vor, die wirksamer (und vor allem weniger beziehungsschädigend) sind, als Strafe oder Strafandrohung. So könnten wir unsere Kinder aufgrund eigener Erfahrungen beraten, Kompromisse aushandeln, selbst Vorbild sein oder uns näher mit dem Verhalten unseres Kindes beschäftigen, um evtl. selbst neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Fazit
Das Gordon-Familientraining vermittelt Erkenntnisse und Fertigkeiten zur Gestaltung befriedigender und vertrauensvoller Familienbeziehungen, zur gezielten Förderung der Selbstständigkeit Ihrer Kinder und zur Schaffung eines Familienklimas, in dem jedes Familienmitglied die Bedürfnisse des anderen respektiert. Dazu gehört auch, dass Eltern ihre eigenen Kindheitserfahrungen reflektieren, um eine unbewusste Weitergabe beziehungsschädlicher Verhaltens- und Kommunikationsmuster zu verhindern. Mithilfe des Gordon-Familientrainings werden Sprüche wie „So lange du deine Füße unter meinem Tisch hast, …“, die wir vermutlich fast alle noch aus unserer eigenen Kindheit kennen, überflüssig.
Es eignet sich vorbeugend für Eltern sehr junger Kinder (ab 3 Jahre), bei denen sich noch keine Probleme zeigen. Gleichermaßen hilft es Eltern von Teenagern, die unerwünschtes Verhalten verändern und bereits bestehende Konflikte überwinden wollen. Darüber hinaus findet das Programm als Fortbildung für pädagogisches Fachpersonal, z.B. Tageseltern, Erzieher/innen und Kinderpfleger/innen) Anwendung.


Mein Angebot
Seit meiner Autorisierung zur Gordon-Familientrainerin im Jahre 2010 biete ich das Training sowohl als Gruppenkurs als auch individuell für einzelne Elternpaare oder Familien in Präsenz und online an. Neben der Vermittlung der theoretischen Grundlagen stehen insbesondere praktische Übungen im Vordergrund, damit Sie das theoretische Wissen sofort nutzbringend in Ihrem Familienalltag anwenden können.


 Therapeutenprofil anzeigen

 Silvia Fritzsch
Heilpraktikerin beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie
c/o Wortreich Sprachtherapie N. Riedmair
Pfarrer-Zauner-Str. 8
85635 Höhenkirchen-Siegertsbrunn
Tel: 08102/8747132