Yager Therapie / Yager Code
Die Yager-Therapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das der US-amerikanische Psychologe Dr. Edwin K. Yager entwickelt hat. Ihr Grundgedanke: Viele psychische und körperliche Beschwerden können ihren Ursprung in früheren Erfahrungen haben – und in unbewussten Reaktionsmustern, die daraus entstanden sind.
Grundgedanke
Um das zu erklären, unterscheidet die Yager-Therapie drei Instanzen, die zusammenwirken.
- Das Bewusstsein ist unser rationaler, logisch denkender Verstand. Mit ihm treffen wir Entscheidungen, analysieren Situationen und planen unseren Alltag.
- Das Unterbewusstsein ist in diesem Modell dagegen kein einheitliches Ganzes, sondern setzt sich aus vielen einzelnen „Teilen“ zusammen. Jeder dieser Teile steht für ein bestimmtes Reaktions- oder Verhaltensmuster, das wir irgendwann im Leben gelernt haben. Solche Muster entstehen oft in belastenden oder überfordernden Situationen – und waren zu dem Zeitpunkt meist sinnvoll oder sogar schützend. Das Problem: Bleibt ein Teil auf dem damaligen Wissensstand stehen, reagiert er auch heute noch automatisch so wie früher. Im Alltag zeigt sich das zum Beispiel als Angst, als Blockade oder als körperliches Symptom.
- Das Zentrum nannte Edwin Yager die übergeordnete geistige Instanz in uns. Im Modell der Therapie kann das Zentrum genau die Teile aufspüren, die an einem aktuellen Problem beteiligt sind, mit ihnen in Kontakt treten und so Veränderung anstoßen.
Dieses Bild erklärt auch, warum reine Einsicht bei manchen Problemen nicht ausreicht: Der Verstand mag eine Situation als ungefährlich einschätzen – die erlernten Reaktionsmuster laufen trotzdem automatisch weiter.
Ablauf der Behandlung
Die Behandlung folgt einem klar strukturierten Ablauf. Zu Beginn richtet der Therapeut eine Kommunikation mit dem Zentrum des Klienten ein. Anschließend wird das Zentrum angeleitet, diejenigen unbewussten Teile zu suchen und zu finden, die am aktuellen Problem beteiligt sind.
Das Zentrum übernimmt die Kommunikation mit diesen Teilen und unterstützt deren Rekonditionierung. Dabei werden die beteiligten Teile auf den heutigen Wissensstand gebracht und mit den Informationen und Ressourcen versorgt, die ihnen zum Zeitpunkt ihrer Entstehung noch nicht zur Verfügung standen. Ziel ist es, die früher entstandenen Konditionierungen zu verändern, sodass die daraus resultierenden automatischen Reaktionsmuster ihre bisherige Wirkung verlieren.
Eine Besonderheit der Methode besteht darin, dass die Erfahrungen, die einem Problem zugrunde liegen, nicht zwingend bewusst aufgedeckt werden müssen. Der Klient muss belastende oder schmerzhafte Erinnerungen daher weder im Detail schildern noch emotional erneut durchleben.
Der Therapeut begleitet und steuert den Prozess, während die eigentliche Arbeit mit den beteiligten Teilen über das Zentrum erfolgt.
Die Yager-Therapie zählt zu den hypnotherapeutischen Verfahren, kommt aber ohne klassische, formelle Hypnoseinduktion aus. Im Laufe des strukturierten Prozesses kann sich dennoch ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit einstellen.
Anwendungsbereiche
Die Yager-Therapie wird vor allem bei Beschwerden eingesetzt, bei denen unbewusste Lernprozesse, Prägungen oder emotionale Erfahrungen eine Rolle spielen, zum Beispiel bei:
- Ängsten, Phobien und Panikattacken
- chronischer innerer Unruhe, Stressreaktionen und emotionaler Belastung
- psychosomatischen und stressbedingten Beschwerden
- blockierenden Verhaltensmustern, Gewohnheiten und Vermeidungsverhalten
- Trauer sowie Schuld- und Schamgefühlen
Je nach Anliegen lässt sich die Methode eigenständig einsetzen oder mit anderen therapeutischen Ansätzen kombinieren.
Text: Claus Rammig
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